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Wohn- und Dienstleistungegebäude, Arlesheim

Ausführung 2025-2026

Untergeschoss

Erdgeschoss

1.-3. Obergeschoss

Schnitt

Verfahren

Projektwettbewerb im offenen Verfahren, 2018, 1.Rang

Bauherrschaft

Wohnstadt Bau- und Verwaltungsgenossenschaft

Zusammenarbeit

Sinago AG, Baumanagement
WAM Planer und Ingenieure AG, Bauingenieur
Edico Engineering AG, Elektroingenieur
Beat Joss und Partner, HLKK Ingenieur
Acquedotto GmbH, Sanitäringenieur
Gartenmann Engineering AG, Bauphysik und Brandschutz

Leistungen

Architektur 31-53, Leistung 57.5%

Visualisierung

Indievisual

Daten und Fakten

Baubeginn
2025
Bezug
2026
Einleitung:
Das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Projekt erzeugt zusammen mit dem bestehenden «Pfeffingerhof» und dem bereits realisierten Gemeindesaal (Eröffnung 2024) ein dreiteiliges Ensemble. Das zentrumsnahe Grundstück ist zweiseitig von Stollenrain und Brachmattstrasse erschlossen und grenzt nördlich an das Schienentrasse der BLT (Tram Nr. 10).

Städtebau:
Der Projektvorschlag sieht eine sorgfältige Setzung eines viergeschossigen Baukörpers vor, der sich an der Körnung der umliegenden Bebauungsstruktur orientiert. Das neue Bauvolumen erzeugt mit seiner Setzung und Ausformulierung differenzierte Aussenräume, interessante Sichtbezüge und schafft, trotz Verdichtung auf dem Areal, eine angemessene Durchlässigkeit und Orientierung. Die wiederkehrenden Grünraumausbuchtungen entlang des Stollenrains werden im städtebaulichen Muster der Neubauten weitergeführt.
Das Wohn- und Dienstleistungsgebäude liegt unmittelbar neben dem neu erstellten Gemeindesaal „Setzwerk Kulturhaus Arlesheim“. Der Gemeindesaal und das geplante Wohn- und Dienstleitungsgebäude sind in der Höhe, von Westen nach Osten, ansteigend gestaffelt. Dabei markiert das neue Wohngebäude an der Ecke „Stollenrain – Brachmattstrasse“ einen selbstbewussten Abschluss des Gebäude-Ensembles. Durch die spezifischen Antworten auf die Umgebung, durch die Massstäblichkeit und Körnung, wird der Neubau räumlich eng mit dem Quartier verwoben.

Erschliessung und Grüngestaltung:
Das Konzept sieht eine klare Trennung des Personen- und Autoverkehrs vor. Die Fusswegerschliessung erfolgt hauptsächlich von Seiten Stollenrain. Der Gebäudeeingang liegt im Zwischenraum von Gemeindesaal und Wohngebäude, vis à vis des Dienstleistungseingangs des Gemeindesaals. Die Zufahrt zur Einstellhalle erfolgt ab Brachmattstrasse, führt entlang der Tramline, nördlich des Wohngebäudes.
Das Grünraumkonzept orientiert sich am übergeordneten „Grün- und Freiraumkonzept und Verkehrskonzept Stollenrain, Arlesheim“. Entlang des Baufeldrandes werden zusammenhängende Grünflächen vorgesehen, die mit Klein- und Ziergehölzen bepflanzt werden. Am Stollenrain markieren grössere Hochstammbäume die Zugänge auf das Areal.
Entlang der nördlichen Grenze bildet ein Grünstreifen mit Ziergehölzen einen Abschluss gegen Terrainkante und Tramlinie. Grundsätzlich werden einheimische Pflanzenarten verwendet.

Nutzungsverteilung und innere Organisation:
Im Erdgeschoss ist eine Dienstleistungsfläche geplant (Büros, Store, KITA, Praxis, usw.). Die Fläche kann je nach Nutzung in drei Bereiche unterteilt werden. Angrenzend zum nordwestlich gelegenen Autoaufzug ist der Velo- und Kinderwagenraum organisiert.
Über dem Dienstleistungsgeschoss sind drei weitere Geschosse mit insgesamt 15 Wohnungen vorgesehen (2.5 bis 3.5-Zimmer-Wohnungen). Jede Wohnung verfügt über einen grosszügigen Wohn-/Essbereich mit offener Küche und einer Loggia, welche an den Gebäudeecken zweiseitig belichtet ist. Pro Wohnung ist eine grosszügige Nasszelle mit bodenebener Dusche geplant. Im Treppenhaus wird je Geschoss ein kleiner Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine und Tumbler angeboten.
Das Untergeschoss beinhaltet nebst den Keller- und Technikräumen eine Einstellhalle mit 13 Autoabstellplätzen. Die Erschliessung der Parkplätze erfolgt mit einem Autoaufzug.

Tragstruktur / Baugrube / Baustelleneinrichtung:
Das Gebäude ist in Massivbauweise mit Flachdecken, tragenden Innen- und Fassadenwänden geplant. Die Aussteifung für Wind- und Erdbebeneinwirkung ist durch die Scheibenwirkung der Geschossdecken und die vorhandenen Betonwände gewährleistet. Die Grundsätze des erdbebengerechten Entwurfs sind eingehalten.
Der Baugrubenabschluss wird wegen den engen Platzverhältnissen als Mikropfahlständerwand (vertikaler Baugrubenabschluss) ausgeführt. Gegen die Strassenbahn wird auf der Nordseite ein Schutzgerüst benötigt. Die Platzverhältnisse auf dem Grundstück sind sehr eng. Die Freiflächen ausserhalb des geplanten Gebäudes werden vorwiegend durch die Baustelleninstallation (Hochbaukran, Lagerplatz, Unterkünfte, dgl.) beansprucht. Es können keine Parkplätze für Handwerker angeboten werden.

Materialisierung / Ausbau:
Grundsätzlich setzt das Materialkonzept wo immer möglich auf robuste, natürliche und schadstofffreie Materialien.
Die Farbgebung und Gestaltung der Fassade orientiert sich im Gegensatz zum Gemeindesaal an den Bestandsgebäuden der umliegenden Dorfbauten. Der strukturierte Fassadenputz, die Fenstereinfassungen und der Sockel aus Beton sind ortstypische Fassadenelemente und werden durch farbige Ausstell-Markisen akzentuiert, die dem Gebäude einen eigenen Charakter verleihen. Es sind Holz-Metallfenster geplant.
Das Treppenhaus ist neutral gehalten. Nebst Sichtbetonwänden ist für den Boden ein robuster, geschliffener Hartbetonbelag vorgesehen. Die Haupteingangs- und Wohnungstüren sowie der Handlauf sind in Eichenholz gestaltet.
In den Wohnungen werden im Wohn- und Essbereich sowie in den Zimmern Parkettböden in Eiche verlegt. Die Wände sind mit feinem Abrieb versehen und hell gestrichen. In den Bädern sind an Boden und Wänden keramische Platten vorgesehen. Die Loggias sind mit Holzrosten ausgestattet.
Die Dienstleistungsfläche im EG wird durch den Mieter ausgebaut (Ausbau, Deckputz, abgehängte Decken…). Der Edelrohbau sieht einen rohen Unterlagsboden sowie rohe Betonwände, Betondecken und Grundputz an den Aussenwänden vor. Auf dem Flachdach ist eine extensive Begrünung geplant.

Energie / Technik / Ökologie:
Das Wohn- und Dienstleistungsgebäude mit seiner wärmebrückenfreien Konstruktion der Gebäudehülle, ermöglicht zusammen mit den guten Dämmungen und den Dreifachverglasungen bestmögliche Voraussetzungen für die Minimierung des Energieverbrauchs. Damit wird der Minergie-P-Standard gemäss Vorgaben Quartierplan erreicht. Generell wird auf eine gute natürliche Belichtung der Räume geachtet, die den Bedarf an elektrischer Energie für die Beleuchtung reduzieren. Aussenliegende Ausstell-Fassadenmarkisen verhindern die sommerliche Überhitzung der Räume.
Die Wärmeerzeugung erfolgt zentral im Gemeindesaal. Über eine Fernwärmeleitung wird das Wohn- und Dienstleitungsgebäude an die Heizzentrale des Gemeindesaals angeschlossen (Wärmeerzeugung: Erdsonden-Wärmepumpe). Die Wärmeverteilung erfolgt über Bodenheizungen. Alle Räume sind mit einer kontrollierten Lüftung ausgestattet. Die erforderliche Eigenstromerzeugung wird über die Photovoltaikanlage auf dem Dach abgedeckt. Mit der bestehende Photovoltaikanlage des Gemeindesaals wird ein ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) erstellt.